Dienstag, April 13, 2004

Neues aus dem schwedischen Exil

Heute versuche ich es mal mit kleinen Episoden aus dem Leben hier:

a) Ulla Renquist:
Wer ist das, werdet ihr euch jetzt fragen. Ulla ist die Erasmuskoordinatorin, immer auf Achse, immer gut gelaunt. Wenn sie nicht gerade in der Uni unterwegs ist, fährt sie irgendwelche hilflose Austauschstudenten in ihrem weissen Ford Ka durch die Gegend. Sie hilft einem beim einziehen, trägt sogar die Bierflaschen in ihrer Handtasche nach oben und saugt obendrein noch nebenher die neue Wohnung. Dabei spricht sie unentwegt DEUTSCH! Denn Ulla hat Germanistik in Heidelberg studiert. Ein wahrer Tausendsasser, der irgendwie immer wie ein Maulwurf aussieht, was aber an der grossen getönten Sonnenbrille liegt. Uebrigens wir schätzen Ulla so um die 50, also Hut ab vor Frau Renquist!

b) Handys und Sicherheitstechnik:
Wie schon vorher erwähnt, der Schwede liebt Magnetkarten und Zahlencodes. Fuer mein Department habe ich eine Magnetkarte und ab 18 Uhr muss ich dazu einen Code eintippen. Kompliziertes Land! Damit Tueren sich öffnen, gibt es extra Schalter, die man betätigen muss. Bei uns im Haus sind das riese Teile neben der Tuer. Man haut drauf und wie von Geisterhand öffnet sich die Tuer. Ich bin baff!
Handys hört man immer und ueberall, vor allem polyphon ( ich sag nur Jahrmarkt!), ausserdem telefoniert der Schwede in der U-Bahn (Tunnelbana) am liebsten mit einer Art Headset (sprich Ohrknöpfe). Sehr verwirrend, denn am Anfang dachte ich, was da alle so vor sich herbrabbeln.

c) Fastfood und Essen allgemein:
Mein Tip: Kurv och mos. Dahinter verbirgt sich eine Wurst mit Kartoffelbrei und wahlweise kalten gehakten Gewuerzgurken. Klingt komisch, schmeckt aber. Auch sehr lecker: Karnelbulle. Das ist eine Art Zimtteilchen in Schneckenform. Mjam. Dazu Kaffee, der hier ausserordentlich stark ist. Nach einer Tasse titscht man und hat leichtes Herzrasen; zumeist mit påtår (sprich potor). Dahinter verbirgt sich eine kostenlose zweite Tasse. Ansonsten ist das Essen hier in der Uni ok.
Unser Supermarkt ICA hat viel, vor allem aus Deutschland. Jedes zweite erworbene Produkt erwies sich als Deutsch, sehr beschämend. Nur die Milch wars nicht. Und von der gibt es unheimliche Bandbreiten. In allen Fettprozenten zu haben. Sehr lecker ist Filmmjölk, eine Art Sauermilch. Auch nicht schlecht sind Kötbullar (sprich: Schöttbullar) kleine Fleischbällchen!

d) Die Sprache:
Lesen funktioniert, sprechen nicht. Denn alle sprechen Englisch und sobald sie wittern, dass du Ausländer bist, reden sie Englisch. Schade, schade!
Aber lustig klingts!

e) Die Stadt:
Boff, die ist mal schön. Alles da und nicht zu gross! Aber das erzähl ich später noch.

f) Die Menschen und speziell die Frauen:
Die Menschen sind schon sehr verschlossen, also den Deutschen etwas ähnlich, aber einfach draufloslabern hilft immer, dann muessen sie reden.
Es leben sehr viele Immigranten in Schweden, was vor allem Stockholm sehr international macht. Die Frauen sind nicht alle blond, aber huebsch sind sie!

g) Uni
Gross! Sehr schöner Campus im Nationalpark. Ueberall gibt es kleine Cafes und Restaurants. Ausserdem jede Menge kleiner Pubs, in die nur Studenten reinduerfen, weil dort das Bier billig ist. Was vergessen? Hm, eigene U-Bahn-Haltestelle: Universitetet!

h) Allohol
Alkohol ist teuer in Schweden, sehr teuer. Im Supermarkt bekommt man nur Leichtbier, Lättöl, mit maximal 3,5 Prozent. Die reinste Ruelpsplörre, weil man die ganze Zeit aufstossen muss. Alle anderen Alkoholarten inklusive des Starkbiers gibt es nur bei Systembolaget, einer staatlichen Monopolgesellschaft, die den Alkohol teuer verkauft. Dort muss man, wie fast immer in Schweden, eine Nummer ziehen und warten bis man bedient wird, keine Selbstbedienung. Sehr nervig!!!

Keine Kommentare:

 

kostenloser Counter